Samstag, 8. Februar 2014

Haarig: American Hustle (Berlinale Special Gala)

Die erstaunliche Karriere des David O. Russell – in Anlehnung an die kürzliche Neuverfilmung der Kurzgeschichte von James Thurber scheint das eine passende Überschrift für das Wirken des amerikanischen Regisseurs. Wer hätte vor kaum zehn Jahren zu prophezeien gewagt, dass Russell nun bereits zum dritten Mal in Folge ein vielfach oscarnominiertes Werk vorlegen würde! Damals hatte der als denkbar eigenwillig empfundene Filmemacher gerade I Heart Huckabees fertiggestellt – ein wunderschönes, aber eben auch sehr verschrobenes Kleinod, dem finanzieller Erfolg naturgemäß versagt blieb. War Russell in dieser Schaffensphase auf die absurde Komödie abonniert, transzendiert er zuletzt scheinbar mühelos die Genregrenzen.

Dem schroffen The Fighter und dem umso launigeren Silver Linings Playbook folgt nun ein weiterer thematischer und atmosphärischer Sprung, in gewisser Hinsicht sogar eine Rückkehr zu den Wurzeln. Mit American Hustle katapultiert uns Russell in die wilden Siebziger. Die Geschichte des Betrügerduos Irving Rosenfeld und Sydney Prosser, das mit dem FBI erst in Konflikt, dann in eine umfangreiche Kooperation gerät, ist schier unglaublich. Der Versuch dieser unheiligen Allianz, einen Bezirksbürgermeister (Jeremy Renner) der Bestechlichkeit zu überführen, artet bald zu einer brandgefährlichen Konfrontation mit dem Organisierten Verbrechen aus. Als sich dann auch noch Irvings unberechenbare Ehefrau (Jennifer Lawrence) in die Angelegenheit einmischt, stehen mehrere Existenzen auf dem Spiel.

Wenn American Hustle der variierte Realitätsbezug "Some of this actually happened" eröffnet, folgt das längst einer gewissen Mode der narrativen Ironie. Hier allerdings hat die Ansage einen gründlichen Nachhall, fragt man sich doch immer wieder, welche der Abstrusitäten sich zum Teufel tatsächlich zugetragen haben sollen. Dass die immer hanebücheneren Verstrickungen nicht der völligen Lächerlichkeit anheimfallen, ist insbesondere den stets ernsten Darstellern zu verdanken. Den hauptsächlichen Cast hat Russell aus den beiden Vorgängerfilmen kompiliert: Christian Bale und Amy Adams (aus The Fighter) geben dabei eine hoffnungslos ambivalente Paarung ab – in zwischenmenschlicher wie dubios-geschäftlicher Hinsicht. Bradley Cooper (wie Lawrence aus Silver Linings) erweitert die Konstellation zu einem noch seltsameren Trio. Coopers übereifriger FBI-Agent DiMaso zieht Irving und Sydney, die sich längst Lady Edith nennt, nicht nur in einen Strudel aus verdeckten Ermittlungen – eine spannungsgeladene Dreiecksbeziehung entspinnt sich bald obendrein.

Die anfängliche Szene, in der Irving sein Toupet in irrwitziger Manier auf das Haupt drapiert, ist symptomatisch für den grotesken Humor von American Hustle. Bale spielt die kurze Episode jedoch mit ebenso großer Hingabe, wie es sämtliche der phänomenalen Schauspieler dieses Kabinetts der Ungeheuerlichkeiten tun. Haarsträubend – das ist die perfekte Ein-Wort-Beschreibung von Russells manchmal etwas arg verspieltem Film und nicht nur in der grandiosen Auftaktsequenz durchaus wörtlich zu verstehen. Dass Herrn Bales Plautze sowie die Garderobe von Frau Adams das eine oder andere Nackenhaar erigieren sollten, lässt sich da in aller Konsequenz schlussfolgern.

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