Samstag, 16. Februar 2013

Tag 9: Abschluss

Wie passend, dass Nobody's Daughter Haewon (Nugu-ui Ttal-do Anin Haewon) aus Südkorea als einer der letzten Beiträge in den Wettbewerb geschickt wird. Jung Eunchae spielt darin eine Studentin, die um ihren Platz in der Welt ringt. Ihre Mutter wird bald nach Kanada auswandern, wodurch sich Haewon trotz des eher schwierigen Verhältnisses noch einsamer fühlt. Mit einem ihrer Professoren hat sie seit einem Jahr eine Affäre. Obwohl sie sich schon länger nicht getroffen haben und die Kommilitonen von der heiklen Beziehung längst wissen, akzeptiert der Familienvater, den Haewon stets "Sir" nennt, die von ihr initiierte endgültige Trennung nicht. Einzig auf einer alten Festung in den Bergen bei Seoul fühlt sich Haewon wohl. An Optionen fehlt es ihr nicht, sie ist hübsch und lernt immer neue Interessierte kennen. Wirklich entschließen kann sie sich jedoch nicht, ihre Verzweiflung wächst.
Das Werk von Hong Sangsoo, mit früheren Liebesfilmen bereits in Cannes und auf anderen Festivals vertreten, ist symptomatisch für den diesjährigen Berlinale-Wettbewerb, weil er gut ist. Nicht unterdurchschnittlich, auch nicht überragend. Sangsoo und insbesondere Hauptdarstellerin Eunchae vermitteln die Unsicherheit, das ratlose Tasten dieser authentischen Frauenfigur - noch eine Konstante vieler Wettbewerbsfilme - eindrucksvoll. Gleichzeitig ist die Attitüde, die Form der Narration sehr zurückgenommen, eher realitätsbezogen. Das Empfinden einer - selbstverständlich rekonstruierten - Alltäglichkeit täuscht dabei nicht: Wie Sangsoo in Berlin bestätigte, hat er die Dialoge von Nobody's Daughter erst am Morgen des jeweiligen Drehtages geschrieben - ein ungewöhnliche Methodik, die an das Vorgehen der „Nouvelle Vague“-Filmemacher erinnert.

Kaum weiter entfernt von europäischem Neorealismus entfernt sein könnte der letzte außer Konkurrenz gestartete Wettbewerbsbeitrag der Berlinale, der Dreamworks-Animationsfilm The Croods. Und auch wer hinter dieser Auswahl ein reines, kaum verhohlenes Erhaschen medialer Aufmerksamkeit vermutet, liegt falsch.
In der Tat hat der Film, dem ein weltweiter finanzieller Erfolg sicher scheint, mit Emma Stone und Nicolas Cage zwei der bekanntesten Hollywoodstars dieser Festspiele an die Spree gelockt. Gemeinsam mit den deutschen Stimmen der beiden Hauptfiguren, Janin Reinhardt und Uwe Ochsenknecht, haben die beiden als Sprecher verpflichteten Schauspieler The Croods in Berlin vorgestellt.



Auch mit der animierten 3D-Unterhaltung - selbst unter Kosslick eine Seltenheit in der Hauptsektion - hat die Festivalleitung dennoch ein recht glückliches Händchen bewiesen. Der Film von Kirk DeMicco und Chris Sanders ist wertvoller als die meisten hoch budgetierten Produktionen mit ähnlichem Zielgruppenfokus. Die Platzierung der gewohnt simpel gestrickten Handlung in die Steinzeit ist dabei zweitrangig. Auch die familiäre Struktur der Charaktere - die Tochter (Stone/Reinhardt) pocht auf Veränderungen, der Vater (Cage/Ochensknecht) gibt den Bewahrer - ist wenig innovativ. Dank der beeindruckend umgesetzten (3D-)Effekte, den zahlreichen, ungemein kreativen Fabelwesen, denen die Höhlenmenschen auf ihrer Reise durch die bizarre Welt begegnen, und der intelligent ausgespielten Psychologie der Figuren ist das Abenteuer der Croods ein sehr sehenswertes. Als Beigabe eines guten, aber eben eher ereignisarmen Jahrgangs ist dieser bunte Mainstreamfilm ein gelungener Abschluss.

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