Mittwoch, 13. Februar 2013

Retrospektive: Dial M for Murder (3D)

Wer es sich zur Richtlinie gemacht hat, pro Berlinale mindestens einen Film aus der Retrospektive und neuerdings mindestens einen in 3D zu sichten, kann diese beiden Vorhaben in diesem Jahrgang mit einem einzigen Screening erledigen. Natürlich handelt es sich bei der dreidimensionalen Fassung von Alfred Hitchcocks Klassiker Dial M for Murder nicht um eine jener unsäglichen, seit dem technischen Quantensprung namens Avatar fürchterlich angesagten nachträglichen Konvertierungen. Der Altmeister des Suspense war bereits 1954 visionär genug, seinen Film in jenem Verfahren zu drehen, mit dem bereits seit den Anfängen des Mediums Ende des 19. Jahrhunderts experimentiert wurde und das in den vergangen Jahren wahrlich nicht seine erste Renaissance erlebt hat.


Dial M for Murder
© WB Pictures 1954/Berlinale


Auf Blu-ray ist die aufwendig restaurierte 3D-Fassung von Dial M for Murder bereits seit dem vergangenen Jahr in vielen Ländern erhältlich. Wie lohnenswert es dennoch war, diese Filmversion in das Programm der Berlinale-Retrospektive 2013 aufzunehmen, führte ihre internationale Kinopremiere gestern Abend im Haus der Berliner Festspiele eindrucksvoll vor Augen. Das im Werk Hitchcocks sicherlich nicht einzige, aber vielleicht diffizilste Durchspielen des perfekten Mordes hat ohnehin kaum von seiner kinematographischen Kraft verloren. Ein ehemaliger Tennisprofi (Ray Millard) will sich seiner makellosen Ehefrau (Grace Kelly) entledigen, weil er herausgefunden hat, dass diese ihm einst untreu war. Als Ausführenden seines perfiden Plans hat er sich einen flüchtigen Bekannten aus Schultagen (Anthony Dawson) auserkoren, den er mit heiklem Wissen aus dessen Lebenswandel erpresst. Obwohl das Vorhaben aufgrund der glücklichen Disposition einer Schere fehlschlägt, die Kelly in den Rücken des Angreifers platziert, beginnt damit im Grunde erst der spannendste Teil des Films.
Als heimlicher Star von Dial M erwies sich auch in der Berlinale-Vorstellung - an der emotionalen Publikumsreaktion gemessen - John Williams (nein, nicht der Komponist) als Chief Inspector, der sich dem Treiben auf die Schliche zu kommen bemüht. Da sich die Handlung in London zuträgt, spielt Williams die Polizistenrolle mit einer allzu klassischen Ironie, treibt Mimik und Witz jedoch noch einmal auf die Spitze.

Bleibt die Frage nach Wert und Notwenigkeit der neuen 3D-Fassung, zumal im Kino vorgeführt. Mit den verfügbaren Heimkinoauswertungen sollte eine 4K-Digitalprojektion auf einer 30-qm-Leinwand ohnehin besser nicht verglichen werden. Auch die Dreidimensionalität, die hier erstmals wie von Hitchcock beabsichtigt reproduziert wird, ist gerade Kennern der Standardfassung ein immenser Gewinn. Natürlich und zum Glück besteht diese nicht in effekthaschenden Schmankerln gewinnorientierter Konvertierungen, sondern in einer wohl komponierten Vertiefung des gesamten Raumes, die den meisten aktuellen 3D-Produktionen eben oft abgeht. Eine bessere Symbiose von Nostalgie und Modernität wäre bei dieser Berlinale wahrlich kaum denkbar gewesen.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen