Sonntag, 19. Februar 2012

Young Adult

Es gibt Filme, die versprühen diesen ganz bestimmten, oft kaum erklärlichen Zauber. Positive Energie, Faszination, pure Lebensfreude. Die einmalige Magie der Leinwand, oft hochgradig ansteckend. Filme, nach deren Genuss man die Welt umarmen möchte. Young Adult, der neue Film von Jason Reitman, gehört nicht zu dieser Art von Filmen - im Gegenteil. Wollte man diese Erzählung über das Leben einer Mittdreißigerin mit einem Genre-Label versehen, man müsste es "Feel-Bad-Movie" nennen.

"Pathetic", dieses schlecht (und bloß nicht wörtlich) ins Deutsche zu übersetzende Adjektiv, ist entsprechend das Wort, mit dem sich Mavis Gray kurz umschreiben ließe. Die Protagonistin von Young Adult wird uns in der ersten Einstellung des Films in ihrem Bett vorgestellt: auf dem Gesicht liegend, in voller Montur, heillos verkatert. Dieses Bild wird sich als immergleiche morgendliche Pose erweisen. Mavis ist Jugendbuchautorin, durchaus attraktiv (wenn sie sich denn mal zurecht macht), abgesehen von ihrem Hund vollkommen auf sich gestellt - und zutiefst verbittert. Als sie erfährt, dass ihre einstige Flamme Buddy jüngst Vater geworden ist, kehrt Mavis zurück in ihr Heimatstädtchen, um endlich das ersehnte Glück zu finden. Oder so.

Charlize Theron spielt die abermals einzigartige Rolle aus der Feder der Juno-Autorin Diablo Cody kompromisslos. Man kann sie nicht leiden, diese missmutige, selbstgerechte Mavis, aber man kommt ebensowenig umhin, mit ihr zu leiden. Obwohl und weil Theron vordergründig rein gar nichts zur Rechtfertigung ihrer Filmfigur beiträgt, werden nach und nach die vernichtenden Strukturen offenbar, die am Grund ihrer Seelenpein verborgen liegen. In subtilen Gesten, Sätzen und Perspektiven machen Theron, Cody und Regisseur Reitman das verheerende Innenleben der Protagonistin tatsächlich greifbar. Etwa, als Mavis' Eltern die beiläufige, aber durchaus zutreffende Alkoholismus-Beichte ihrer Tochter als Sarkasmus abtun. Oder als Mavis den Nachwuchs ihrer Jugendliebe diskreditiert, der sich postwendend als in der Tat hässliches Baby erweist. Selbst beim fahrbaren Untersatz wird der innere Verfall durch ein materielles Downgrade illustriert: Der schicke Mini Cooper wird nach einem nächtlichen Einpark-Crash durch ein Einser-Golf Cabrio ersetzt.

Und wer geglaubt, gehofft oder gefürchtet hatte, all das Elend der ersten Filmhälfte wandle sich alsbald in eine wenigstens vorsichtige Aussicht auf Besserung, dem sei versichert: Gegen Ende legt Young Adult erst richtig los mit unbequemen Wahrheiten und handfester Cholerik. Und das ist auch gut so.

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