Dienstag, 21. Februar 2012

Tag 10: Samstag, 18.02.2012

Die Mitglieder der Internationalen Jury 2012 (Mike Leigh, Anton Corbijn, Asghar Farhadi, Charlotte Gainsbourg, Jake Gyllenhaal, François Ozon, Boualem Sansal und Barbara Sukowa) haben entschieden und folgende Preise vergeben:

Goldener Bär für den Besten Film: Cesare deve morire (Caesar Must Die) von Paolo & Vittorio Taviani
Es ist doch immer sehr enttäuschend, wenn der Hauptpreis der Berlinale an einen Film vergeben wird, den man selbst nicht hat sehen können (eine bewusste Entscheidung war es in meinem Fall jedenfalls nicht). So ist es mir dieses Mal auch nicht möglich, fundiert im Chor der Empörten mitzusingen, die der Jury-Entscheidung wenig abgewinnen können. Auch ohne Kenntnis des prämierten Werkes darf man sich aber zumindest mitwundern, weshalb auf einem Festival, das sich dezidiert zukunftsorientiert dem filmenden Nachwuchs verschrieben hat, die mit Abstand ältesten Regisseure des gesamten Wettbewerbs mit dessen Hauptpreis versehen werden...

Großer Preis der Jury - Silberner Bär: Csak a szél (Just The Wind) von Bence Fliegauf
Eine der absolut nachvollziehbaren Entscheidungen. Wie ich bereits hier und hier angedeutet habe, ein durchaus kontroverser, aber eben unbedingt sehenswerter Film, der einen relevanten gesellschaftspolitischen Bezug und zudem (aus anderen Gründen) aktuelle politische Signalwirkung hat. Verdient!

Silberner Bär - Beste Regie: Christian Petzold für Barbara
Der zweite Volltreffer der Jury. Dass Petzold für seinen international gefeierten, wirklich großartigen Beitrag geehrt wird, ist wohl die einzige festivalübergreifende Konsensentscheidung. Hochverdient!

Silberner Bär - Beste Darstellerin: Rachel Mwanza in Rebelle (War Witch) von Kim Nguyen
Eine sehr überraschende Vergabe, die ich qualitativ nicht beurteilen kann. In Berlin munkelt man, es sei womöglich eine in erster Linie soziale Entscheidung, da die 15-jährige Laiendarstellerin vollkommen mittellos sei. Nina Hoss, die wegen einer Ehrung in der Vergangenheit wohl ausgeschlossen war (warum eigentlich?), oder die zweifach im Wettbewerb vertretene Léa Seydoux erschien nicht nur mir etwas schlüssiger.

Silberner Bär - Bester Darsteller: Mikkel Boe Følsgaard in En Kongelig Affære (A Royal Affair/Die Königin und der Leibarzt) von Nikolaj Arcel
Ein auch von mir nicht unerwarteter Preis, der dennoch die recht konservative Tendenz der Jury unterstreicht. Ganz sicher zeigt Følsgaard eine erinnerungswürdige Leistung, mit der aber erstens im selben Film Mads Mikkelsen und zweitens im gesamten Wettbewerb mehrere Kollegen - etwa Saul Williams oder Robert Duvall - mindestens gleichgezogen sind.

Silberner Bär - Herausragende Künstlerische Leistung: Lutz Reitemeier für die Kamera in Bai lu yuan (White Deer Plain) von Wang Quan'an
Vertretbar. Die Bilder des Films sind in der Tat atemberaubend. Zudem lenkt der in Abwesenheit des Preisträgers verliehene Bär die Aufmerksamkeit auf den durchaus überraschenden Umstand, dass ein Einheimischer für die Fotografie des chinesischen Beitrags verantwortlich zeichnet - was auch mir im Festivaltrubel, ehrlich gesagt, entgangen war.

Silberner Bär - Bestes Drehbuch: Nikolaj Arcel, Rasmus Heisterberg für
En Kongelig Affære (A Royal Affair) von Nikolaj Arcel
Ist der Darstellerpreis gerade noch akzeptabel, muss die Auszeichnung des Drehbuches von A Royal Affair doch sehr verwundern. Wenn schon zwei sehr gut miteinander vergleichbare Filme über das Zeitalter des europäischen Umbruches zu sehen sind - warum geht dann der wesentlich mutigere, innovative Beitrag leer aus, während die konventionelle Variante gleich zwei Silbären erhält? Unterdessen sind mit Kebun binatang/Postcards from the Zoo und Hans-Christian Schmids Was bleibt zwei Kandidaten unverdientermaßen gänzlich auf der Strecke geblieben.

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