Dienstag, 14. Februar 2012

The Flowers of War

Wie um meine These zum Kriegskino angesichts Jayne Mansfield's Car zu bestätigen, wird in der direkt anschließenden Pressevorführung The Flowers of War gezeigt. Der Film, der den (verwestlichten) Originaltitel Jin Líng Shi San Chai trägt, könnte ebensogut "The Beauty of War" heißen. Sicher, die mit anspruchsvollen Splattereffekten gepimpten Zeitlupenaufnahmen sterbender Soldaten schockieren. Das tun sie. Gleichzeitig tragen sie zu einer Ästhetisierung und damit eben auch zu einer Verklärung des Kriegsgeschehens bei. Wer das unter Verweis auf den abschreckenden Charakter auch "schöner" Gewaltdarstellung für nebensächlich hält, irrt: Zum einen wird dieser Abstoßeffekt eben nicht etwa als Antilogik samt Alternative genutzt, sondern als Wegbereiter niederer Emotionen (vor allem Rache) und zur Wiederherstellung nationaler Identität und Ehre. In diesem Sinne ist die ästhetisierte - und damit übrigens auch hochgradig artifizielle - Gewalt unmittelbar mit der natürlich auch in diesem Film nachfolgenden Heldengeschichte verbunden. Zum anderen ebnet dieses inszenatorische Konzept einer Fortschreibung der internalistischen Logik von Gewalt und Gegengewalt den Weg. Der in sich unendliche Zirkel wird so nicht nur nicht durchbrochen - er wird sogar aktiv als unvermeidlich zementiert.


Jin líng Shi San Chai | The Flowers Of War
Christian Bale, Tianyuan Huang
© New Pictures Film

Nun ist der Regisseur von The Beauty Flowers of War nicht irgendein Nachwuchsfilmer, sondern einer der erfolgreichsten Chinas. Und der Gegenstand seines neuen Werkes nicht irgendein kleiner Konflikt, sondern eines der schwärzesten Kapitel der Landeshistorie. Dass Zhang Yimou (House of Flying Daggers) das berüchtigte Massaker von Nanjing strikt aus chinesischer Perspektive verfilmt, scheint noch verständlich. Wie Yimou aber bei diesem ohnehin tieftraurigen Thema derart schamlos auf die Tränendrüse drückt - tatsächlich verbringen sämtliche Hauptcharaktere das letzte Filmdrittel größtenteils weinenderweise -, ist ziemlich kontraproduktiv. Schade ist das insbesondere um die tollen schauspielerischen Leistung nicht nur Christian Bales, der einen amerikanischen Leichenkosmetiker spielt, der eher unfreiwillig in die Rolle des Beschützers einer Gruppe einheimischer Mädchen und somit in die des Helden gerät. Auch der chinesische Cast um Hauptdarstellerin Ni Ni überzeugt ebenso wie die makellose Ausstattung und Kamera.

Die inszenatorischen Stärken und Schwächen von Die Blumen des Krieges würden sich in etwa die Waage halten - wäre da nicht der, nun ja: blumige Umgang Yimous mit dem Krieg. Was kommt also am Ende dabei heraus? Ein "Antikriegsfilm".

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