Montag, 13. Februar 2012

Dictado und I, Anna

Sieht man einmal von gewissen mittelöstlichen Extremitäten ab, hat die Berlinale LXII. nun ihre ersten beiden vergleichsweise stabil-klassischen Genrefilme - von unterschiedlicher Qualität. Mit Dictado liefert der spanische Filmemacher Antonio Chavarrías den in jedem Berlinale-Wettbewerb unvermeidlichen, aber nicht alleine deshalb vernachlässigungswürdigen Formelfilm-Beitrag. Einzig das Genre selbst ist für die Hauptprogrammsparte des Festivals etwas ungewöhnlich: Dictado ist ein astreiner Horrorthriller, vielleicht etwas arg astrein. Die Geschichte eines Mannes, der von einem grauenvollen Kindheitsereignis in Form eines geisterhaft agierenden Mädchens eingeholt wird - wer kennt sie nicht? Einzig in seiner gelungene Balance zwischen wissenschaftlicher und spiritueller Fundierung (nämlich die Wahl dem Zuschauer zu überlassen) überzeugt der Film. Trotz der bemühten, wenn auch rein äußerlich aalglatten Darsteller (Protagonist Juan Diego Botto wirkt einem H&M-Katalog entsprungen), will der Funke nicht recht überspringen. Zu vorhersehbar, zu beliebig.


I, Anna
Charlotte Rampling
© Berlinale

Besser, weil bis fast zum Schluss mysteriöser und stimmungsvoller ist I, Anna, mit dem Barnaby Southcombe sein Spielfilmdebüt gibt. Selbstredend reeiiiin zufällig spielt seine Frau Mutter, bekannt als Charlotte Rampling, die Titelrolle dieses klassisch angelegten Thrillers, der in der Reihe Berlinale Special untergebracht ist. Es geht um eine Frau in den (angeblich) besten Jahren, die nach der Trennung von ihrem Mann nach menschlicher Nähe sucht. Ähnlich zuneigungsbedürftig ist auch der Scotland-Yard-Kommissar Bernie (Gabriel Byrne in bester Pacino-Manier), der Anna bei der Ermittlung eines Mordfalles über den Weg läuft. Wie dessen Interesse vom privaten ins berufliche kippt, schildert Southcombe in filigranen Bildern und begleitet von hypnotischen Synthesizerklängen. Dass schließlich gar ein Einblick in die freilich von tiefen Abgründe zerfurchte Seele Annas gelingt, ist dennoch in erster Linie der Mama zu verdanken, deren hingebungsvollem Spiel man sich wieder einmal nicht entziehen kann.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen